Im Jahr 2002 hatte Joachim Wahl sein Konzept zum Selbstbau von Weichen der Regionalgruppe Hannover vorgestellt. Die von ihm anschließend unter dem Namen "modellwerk" vertriebenen Bausätze bestanden im wesentlichen aus einem Gleisrost, der aus kupferkaschierten Pertinax-Platten gefräst war, den erforderlichen Schienenprofilen, Zungenfüßen, Gleitplatten und Schienennägeln. Im Heft 7/2004 der Zeitschrift "eisenbahn magazin" wurde der Bausatz einer EW-190-1:9 vorgestellt. Die Schienenprofile wurden auf kleine Kupferfelder, die beim Fräsen des Gleisrostes stehen gelassen wurden und Unterlegplatten nachbilden sollten, gelötet. Eine besondere Herausforderung bestand in der Anfertigung der Zungen, die aus den Zungenfüßen und speziell gefrästen Schienenprofilen hergestellt werden mußten. Die Schienennägel, die aus gekürzten Tackernadeln bestanden, symbolisierten die Kleineisen.
Nachdem der Bau einer Probeweiche - auch dank eines Workshops zum Weichenbau, der im April 2002 während der FREMO-Jahrestagung in Enschede / NL stattgefunden hatte - erfolgreich gelungen war, wurden alle für den Nachbau von Schöningen-Süd erforderlichen Weichen einschließlich eines Gleisplans im Maßstab 1:87 bestellt. Die Lieferung erfolgte im April 2003. Der Zusammenbau der Weichen zog sich über Monate hin und erfolgte in Reihenfolge des Schwierigkeitsgrades: zunächst einfache Weichen, dann die beiden Doppelweichen und schließlich als Krönung die doppelte Kreuzungsweiche.
Neben den Bauanleitungen, die den Bausätzen beigefügt waren, waren Artikel in der von Willy Kosak herausgegebenen Zeitschrift "Hp1" hilfreich. Meine Vorgehensweise zum Bau der Weichen sind nachfolgend stichwortartig dargestellt:
Die Montage der Bausätze erfolgte auf 5 mm starken 10fach verleimten Birken-Sperrholzbrettchen, die vor dem Bau mit wasserfestem Klarlack versiegelt wurden. Diese Montagebrettchen bilden einen verzugsfreien Untergrund und boten die Chance, Weichenverbindungen bereits auf einem einzigen Baubrett fertig zu stellen. Auf dem Schwellenplan, der den Bausätzen beigefügt war, wurden die elektrische Aufteilung der Weiche, die erforderlichen Trennstellen und die für Kabel benötigten Löcher gekennzeichnet und dieser mit Klarlack auf dem Montagebrett befestigt. Schließlich wurden der Schwellenrost auf dem Schwellenplan aufgeklebt und die Löcher für die Kabel gebohrt.
Im Bereich der Stellschwelle wurden ein Langloch für den Stelldraht gebohrt und in diesem Bereich die Verbindungsstege zwischen den Schwellen entfernt. Auch im Bereich des Herzstücks wurden diese Stege entfernt, um später die Kabel zur Spannungsversorgung des Herzstücks besser verlegen zu können. Als letzte vorbereitende Arbeit wurden für die Schienennägel Löcher mit einem Durchmesser von 0,7 mm in die einzelnen Schwellen gebohrt.
Nach Befestigung der Lötschablone konnten zunächst die gerade Backenschiene und anschließend die gebogene Backenschiene aufgelötet werden; hierbei galt es zu beachten, daß der Schienenkopf stets waagerecht ausgerichtet ist. Nach Verjüngung der Füße der Gleisstücke für die Herzstückspitze wurden diese aufgelötet und somit das Herzstück nachgebildet. Beim Auflöten der Flügelschienen wurde eine Rillenweite von 1,0 mm eingestellt. Zum Abschluß dieses Bauabschnitts wurden die Radlenker aufgelötet.
Nach Auflöten der Gleitplatten im Bereich der Zungen wurden beide Zungen angefertigt und dann zunächst die gerade Zunge und nachfolgend die gebogene Zunge eingelötet. Abschließend wurde die Stellschwelle mittels der mitgelieferten Bolzen an den Zungen befestigt.
Im Verlaufe des Baus der einzelnen Weichen wurden Erfahrungen gewonnen, die ich nicht vorenthalten möchte:
Entsprechend der H0fine-Norm wurde die Rillenweite auf 0,9 mm festgelegt; damit beträgt bei Weichen mit einer Neigung von 1:9 die Lücke im Herzstück rechnerisch 8,1 mm.
Unter Verwendung einer Roco-Bastelsäge kann mit einem Sägeschnitt eine Doppelschwelle angedeutet werden.
Es ist sinnvoll, im Bereich der Zungenspitzen vorbildentsprechend eine Spurerweiterung von +0,1 mm vorzusehen; die Lötschablone scheint diese nicht aufzuweisen. Um dieses zu erreichen, kann während des Lötvorgangs eine dünne Pappe (z.B. Karteikarte) zwischen Lötschablone und dem Schienenkopf der gebogenen Backenschiene eingefügt werden.
Es erleichtet den Bau, wenn unter dem Herzstück ein kleiner Blechstreifen zum Auflöten der Gleisprofile vorgesehen wird.
Spätestens vor Auflöten der Zungen sollte der Gleisrost lackiert werden, damit die Gleitplatten sauber bleiben.
Damit die Zungen sauber an den Backenschienen anliegen, kann der Schienenkopf der Backenschienen im Bereich der Zungenspitzen von unten mit einer Dreikantfeile geschwächt werden. Auch beim Vorbild ist der Schienenkopf von unten geschwächt; die oberste Stelle der Zungenspitze liegt beim Vorbild unterhalb des Schienenkopfes der Backenschienen.
Zur elektrischen Versorgung sind an verschiedenen Stellen der Weiche Trennstellen vorzusehen; diese können mit einer Trennscheibe eingebracht, mit Plastikstreifen verschlossen und schließlich verschliffen werden.
Das "Nageln" der Schienenprofile ist relativ zeitaufwändig. Diese Arbeit geht leichter von der Hand, wenn der einzelne Schienennagel mit einer Telefonzange gefasst, in das Befestigungsloch eingeführt, leicht nach hinten gebogen und dann in das Montagebrett eingedrückt wird. Das "Nachstopfen" kann mit einer passenden Schraubendreherklinge erfolgen.
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